

Die Grundidee für das Modellprojekt ist einfach und gleichzeitig genial:
Kunst, handwerkliche Arbeit und interkulturelle Angebote werden in einem berufsvorbereitenden Schulprojekt für Jugendliche verbunden. Durch die Entwicklung fachlicher, personaler und sozialer Kompetenzen und den Abbau rassistischer Vorurteile sowie diskriminierenden Verhaltens sollen Weichen für die erfolgreiche Arbeitsmarktintegration gestellt werden.
Realisiert wird dieses Modellprojekt am Osdorfer Born, einem Stadtteil im Hamburger Westen. Entstanden zwischen 1967 und 1972 war der Osdorfer Born die erste Großwohnsiedlung Hamburgs nach dem Krieg, die dem Leitbild „Urbanität durch Dichte“ folgte. Damals galt die Siedlung als innovativer und richtungsweisender Siedlungsbau in Plattenbauweise, der auf relativ geringer Fläche 15.000 Menschen Wohnraum bot. Heute gilt der „Osdorfer Born“ als sozialer Brennpunkt. Unter den BewohnerInnen, häufig mit Migrationshintergrund, ist die Arbeitslosenquote sowie die Quote an Hartz-IV-EmpfängerInnen im Vergleich zum Hamburger Durchschnitt deutlich erhöht. Die daraus resultierende Perspektivlosigkeit macht auch vor den Jugendlichen unter 25, die dort ebenfalls überdurchschnittlich vertreten sind, nicht Halt.
„LeBe!“, Lebenskunst und Berufsorientierung, ist nicht nur das Motto mit großem Aufforderungscharakter, sondern vor allem als wegweisendes Projekt mit lebendigen, gelebten und lebensgestaltenden Inhalten zu verstehen. Jugendliche SchülerInnen zwischen 15 und 18 Jahren, zumeist mit Migrationshintergrund, haben die Möglichkeit, in einem 10. Klassenjahrgang über kulturpädagogische Methoden, praxisbezogenen Unterricht, Betriebspraktika sowie handwerkliche und interkulturelle Angebote Kompetenzen zu erwerben, die ihnen den Einstieg in den beruflichen Lebensabschnitt erleichtern bzw. überhaupt erst ermöglichen.
Die Jugendlichen sind die Hauptdarsteller bei „LeBe!“, denn es geht um ihre Zukunft. Damit das so sein kann, kooperieren kreative und engagierte Partner miteinander: Der Hamburger Kinder- und Jugendzirkus ABRAX KADABRAX ist Projektinitiator und verantwortet als außerschulischer Partner vor allem die künstlerische und handwerkliche Arbeit. Kooperationspartner – und Kompetenzträger bei Unterricht, Berufsvorbereitung und interkulturellem Angebot – ist die Schule Böttcherkamp. Beide Kooperationspartner haben für "LeBe!" ein besonderes Projektprofil für Jahrgang 10 an der Schule Böttcherkamp konzipiert.
Bei „LeBe!“ lernen die SchülerInnen mit dem Ziel, ihr Leben selbstständiger und selbstbewusster anzupacken. Dafür werden ihnen im Projekt „LeBe!“ Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt bzw. bereits schon bestehende Kompetenzen gestärkt und den Jugendlichen bewusst gemacht. Der Kompetenznachweis Kultur der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, der als individueller Bildungspass mit breiter Akzeptanz bei Arbeitgebern spätere Bewerbungsgespräche der Jugendlichen erleichtern kann, ist im Projekt ein wichtiger Baustein der Gesamtkonzeption. Durch eine Kombination aus Beobachtung und Selbstbeobachtung, reflektierenden Gesprächen und dem gemeinsamen Beschreiben der Kompetenzen werden die individuellen Stärken der Jugendlichen sichtbar gemacht und im Bildungspass zertifiziert.
Jeder Projektjahrgang der 10. Klasse durchläuft verschiedene Praxis-Bausteine, die erst in ihrer Ganzheit zu „LeBe!“ werden: Von Zirkus und Tanz, über Bühnenbau und Kostümwerkstatt, Medienwerkstatt, interkulturellen Lernangeboten, Schulunterricht und Betriebspraktika, Intensiv- und Projektwochen bis zum Kompetenznachweis Kultur. Am Ende eines Jahrgangs geht die Arbeit eines Jahres in einem großen Finale auf. Eine abendfüllende Zirkusvorstellung, die die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit interkulturellen Themen und Inhalten wie Aufbruch, Suche und Ankunft in ihren Lebensräumen zeigt, bildet den Höhepunkt des Projektes.
